The return of Jörg Scheiderbauer

IMG 2252 kleinKenner der O-SEE History können sich noch an das Matsch-Rennen 2008 erinnern, bei dem der Offenburger MTB-Profi Jörg Scheiderbauer in aussichtsreicher Position liegend beim Wechsel T2 spektakulär disqualifiziert wurde. Danach wurde es um ihn in Sachen Profisport ruhiger. Neun Jahre nach seiner spektakulären Teilnahme an der O-SEE Challenge/XTERRA Germany 2008 nun die Rückkehr zu XTERRA und an den O-SEE.
Grund genug für „Mr. O-SEE“- Dr. Klaus “Benno“ Schwager, um mit ihm ins Gespräch zu kommen:

pbtmp 01305 PBE 0855 kleinBenno: Welche Gedanken und Erinnerungen hast Du an dieses Matsch-Rennen bei ziemlich jämmerlichen Temperaturen? Das Ende war ja ziemlich furios...
Jörg: Ich kann mich noch gut an das Rennen vor 9 Jahren erinnern. Die Radstrecke war brutal und es war eine Schlammschlacht. Eigentlich hatte ich bei dem Rennen gedacht, ich werde Deutscher Meister, da ich nach dem Radfahren einen Riesenvorsprung hatte und als erster in die Wechselzone kam. Als ich den Helm zu früh öffnete und die Wettkampfrichterin mich anhielt, habe ich sie in diesem Moment gar nicht als Richterin wahrgenommen. Das Adrenalin war entsprechend hoch und meine Emotionen ebenfalls. Ich wurde „etwas“ ungehalten und darauf folgte die Disqualifikation. Im Nachhinein war diese natürlich angemessen, aber in so einem Moment siehst du das natürlich komplett anders. 2009 konnte ich ja dann noch Deutscher Vizemeister am O-SEE werden, der Titel fehlt mir noch in meiner Sammlung. Ich kann es ja in diesem Jahr noch einmal versuchen ;)!

Benno: Welche Beweggründe bringen Dich zurück zum Profisport, zu XTERRA und zurück an den O-SEE?
Jörg: Nachdem ich nach einigen privaten und beruflichen Turbulenzen mich aus dem Rennsport komplett verabschiedet hatte, konnte ich bereits im letzten Jahr wieder ein paar gute Mountainbikerennen fahren. Das hat mich motiviert, in diesem Jahr wieder als Profi bei XTERRA zu starten, weil ich den Crosstriathlon schon immer besonders attraktiv fand.

Benno: Wirst Du die jungen Wilden in Schach halten können? Du bist ja auch nicht jünger geworden...
Jörg: Ich merke natürlich schon, dass ich mit 40 auf den extrem technischen XTERRA Strecken nicht mehr ganz so agil bin wie die jungen Wilden, aber bergauf bin ich momentan super drauf und kann denen auf jeden Fall Paroli bieten. Außerdem habe ich viel Zeit in das Lauftraining investiert und an meiner Laufausdauer gearbeitet. Denn bei dieser Disziplin bin ich in der Vergangenheit immer eingebrochen. Ich denke, ich bin jetzt ein ausgeglichenerer Triathlet, früher lag der Schwerpunkt dann doch schon sehr beim Mountainbiken.

Benno: Neben den XTERRA-Wettkämpfen gehst Du auch bei Ironman-Events wie zuletzt auf Lanzerote an den Start. XTERRA vs. Ironman?
Jörg: Für mich als Sportler und auch für die Zuschauer finde ich XTERRA gerade auch im Vergleich mit traditionellen Triathlonwettbewerben viel interessanter, weil die Strecken für uns Sportler abwechslungsreicher sind und für die Zuschauer damit auch attraktiver. Allerdings muss ich auch sagen, dass die Mountainbikestrecken im XTERRA für die Breitensportler im Grunde genommen zu anspruchsvoll sind. Zum Beispiel in Malta beim Europaauftakt kamen selbst die Profis an ihre Grenzen. Und wenn ich natürlich am nächsten Tag wieder gesund im Büro sitzen will und mir keine großen Ausfälle erlauben kann, wähle ich als Breitensportler natürlich eher Events, die weniger Risiken bieten. Als Veranstalter weiß ich, dass man von den Teilnehmergebühren stark abhängig ist, um solch ein Event profitabel organisieren zu können. Und das geht nur, wenn auch genügend Breitensportler am Start sind.

Benno: Hast Du die Entwicklung von XTERRA in Deutschland in den letzten Jahren etwas verfolgt? Dein Urteil?
Jörg: XTERRA am O-See hat sich zu einem großen Namen etabliert und die Teilnehmerzahlen sprechen denke ich für sich. In der heutigen Zeit kann ich sowieso nur jedem, der überhaupt noch Events organisiert, nur größten Respekt zollen, da ich selbst immer wieder die damit verbundenen Schwierigkeiten am eigenen Leib erfahren durfte. Immer größere Genehmigungsprobleme und Auflagen führen zur Absage vieler Events, wie zum Beispiel der Transschwarzwald oder auch das Bike Festival am Tegernsee, die früher tolle Events waren, aber solchen Regularien leider zum Opfer gefallen sind.

Benno: Die Rückkehr zum Profisport hängt auch etwas mit den beruflichen Veränderungen zusammen? Es ist viel passiert bei Dir in den letzten Jahren. Inzwischen betreibst Du eine gutgehende Fahrradmanufaktur...
Jörg: Seit meiner Insolvenz vor 2 Jahren arbeite ich als Produktentwickler für die von mir einst gegründete Marke. Zwar hatte ich auch früher Mitarbeiter und Berater, die mich in der Geschäftsleitung unterstützt haben, aber erst seit der Neustrukturierung habe ich ein Umfeld, in dem ich mich auch wieder meinen eigenen sportlichen Ambitionen widmen kann. Früher war dies so nicht möglich. Außerdem ist es meiner Meinung nach nur möglich, die besten Fahrräder zu entwickeln, wenn man sie auch selbst auf hohem Niveau testen kann.

Benno: Vielen Dank für das interessante Interview, maximal Erfolge in der laufenden Saison und bis spätestens August 2017 am O-SEE!