Die 10. O-SEE für das schwäbische Urgestein Bernd Kiesel

image002 kleinIn lockerer Folge werden Athleten und Persönlichkeiten, welche der O-SEE Challenge seit Jahren ehrlich verbunden sind, von „Mr. O-SEE“ Benno himself interviewt. Nach dem ehemaligen MTB „Profi“ Jörg Scheiderbauer nun einer der neben Jörg Schneider aktivsten und kommunikativsten Agegrouper der XTERRA-Szene in Deutschland - Bernd Kiesel. Der Esslinger war immerhin der erste „Wessi“, der sich zur O-SEE in den tiefsten Osten getraut hat. Das war 2004. Sein danach verfasster Rennbericht war höchst amüsant. Handelte er doch von der Angst vor böhmischen Bären, verkippten Kaffee und Ameisen im Auto, welche ihn dann bei der 800km-Heimfahrt im klapprigen Kleinwagen permanent gepiesackt haben...

Aber das Fazit des Osttrips war insgesamt so positiv, dass er seitdem nicht mehr von der O-SEE lassen konnte. Man munkelte schon von Umzugsgedanken deswegen ...

Soweit ist es dann doch nicht gekommen, aber er ist 2017 mal wieder am Start. Grund, ihn vor das virtuelle Mikro zu zerren:

Das wievielte Mal bist Du 2017 inzwischen in Zittau? Was macht für Dich den Reiz der Veranstaltung aus? Vergleichsmöglichkeiten hast Du ja genügend, worldwide...

Ich glaube das 10. Mal inklusive der Retro-O-See-Challenge, die ich übrigens sehr gut fand. Das Rennen in Zittau ist für mich immer etwas besonderes - ich habe in keinem Rennen so oft teilgenommen wie bei Euch. Ich liebe die Landschaft und die Leute - die Leidenschaft mit der die Veranstaltung organisiert und durchgeführt wird ....es stimmt einfach das Gesamtpaket! Die Strecke ist hart aber nicht übermäßig schwierig und mit ein bischen Übung schafft man auch den „steinigen Weg“ - insgesamt habe ich sicherlich schon an weit über 30 XTERRA Rennen teilgenommen aber nach Zittau zieht es mich - egal ob ich in Form bin oder nicht - immer wieder. Nicht umsonst taucht auch die O-See-Challenge immer wieder in den einschlägigen Rankings in den Top - 10 auf! Auf der einen Seite wertschätzen die Athleten die Veranstaltung auf der anderen Seiten bekommen wir Athleten ein tolles Feedback - vom Abholen der Unterlagen - bis zur After Race Party ist die Veranstaltung einfach ein Rundes Ding! Auf einen Nenner gebracht: Gastfreundschaft muss nicht auf der Strecke bleiben - selbst wenn es sich um Meisterschaften handelt...immerhin: es waren ja schon WM, XTERRA EM und diverse DM's zu Gast. Davon können sich andere "Labels" etwas abschneiden!

Und dazu kommt: Familienanschluss hast Du ja faktisch auch schon ...

Ja wir haben sehr gute Freunde gewinnen können die uns immer nett beherbergen und uns auch mal die geheimen Lokalitäten in der Umgebung zeigen oder Traininslocations, die man sonst nicht so kennt. Wir würden gerne öfter kommen aber die weite Strecke und unser Beruf verhindert das leider.

Sagst Du eigentlich auch: Ossi-Challenge?

Nein! Ossi - Wessi - Vergleiche sind schon lange aus meinem Kopf und Sprachgebrauch. Sport - im speziellen beim XTERRA habe ich das Gefühl - ist Grenzenlos!

Wie viele Wettkämpfe bestreitest Du im Jahr?

Je nach Lust und Laune - reine Triathlons so 5-10, dazu kommen noch andere Events wie Staffeln, Schwimmen , Läufe und MTB Rennen. Den Fokus lege ich meistens auf 1 - 2 Rennen pro Jahr wo ich versuche das Optimum zu erreichen. Das Optimum mache ich übrigens nicht an Zeiten (das geht beim XTERRA sowieso nicht) oder Platzierungen fest, sondern an dem Gefühl das mir ein Rennen gibt - ein 8. Platz kann sich daher besser anfühlen wie ein Sieg in der AK....ein klasse Schwimmen ohne Schläge, eine gut gefahrene Linie oder ein fluffiger Lauf - das sind Dinge die hängen bleiben!

Hört sich nach Freizeitstreß an. Da braucht man eine verständnisvolle Partnerin/Familie ...

Nein Stress ist das keiner - für mich und uns bedeutet Sport immer noch Ausgleich zur Arbeit und speziell das MTB ist noch so sehr zeitintensiv wie z.B. eine Vorbereitung wie auf einen Ironman. Den einzigen Druck den ich habe ist der, den ich mir selber mache! Damit kann ich gut umgehen!

Als ich Dich kennengelernt habe, warst Du noch stark „rennradsportaffin“ und bist nur zum Brötchen holen mit dem MTB gefahren (eigene Aussage von 2004). Nun bist Du komplett im Gelände angekommen. Gründe?

Ja damals fuhr ich sogar mit 1,8er Reifen mit gefühlten 5 Bar....getreu dem Straßen-Radfahrer Motto: Schmal muss der Reifen sein und voll....Tim Stutzer hat mich damals noch eines besseren belehrt und ich habe spontan auf wenigstens einen richtigen MTB Reifen umgerüstet - mehr Geld hatte ich nicht dabei.....inzwischen bin ich der Meinung, dass das Training im Gelände oder im Wald auf Schotter genauso wie auf der Strasse absolviert werden kann - einzig ein paar echte Einheiten auf dem Zeitfahrrad müssen einfach hin und wieder auf der Strasse sein. Wir (unsere Trainingsgruppe in Esslingen) fühlen uns einfach sicherer im Wald - hier bin ich einzig alleine Schuld wenn etwas passiert und kein aggressiver, smartphone spielender Autofahrer kann uns etwas anhaben. Ich denke die jüngsten Ereignisse werden diesen Trend mit Sicherheit verstärken!

image004 kleinWas treibt Dich um, wenn Du den Cross-Sport in Deutschland so betrachtest und mit den Entwicklungen in anderen Ländern vergleichst?

In Europa stehen wir sicher ganz gut da im Vergleich. Die XTERRA Versanstaltungen in anderen Ländern haben alle ein gutes Niveau! Jedoch könnten wir sicher auch in Deutschland auch noch einige weitere herausfordernde Veranstaltungen vertragen. In manchen Bundesländern ist es halt nicht so einfach im Wald vernünftige Veranstaltungen zu organisieren. Eine Spitze benötigt immer einen guten Unterbau, d.h. Es werden mehr Veranstaltungen wie im Kraichgau, Schalkenmehren, Trier oder "Jag die Wildsau" benötigt. Die TV-Coverage wäre sicher auch noch etwas woran man arbeiten müsste um es der breiteren Masse bekannt zu machen. XTERRA ist spektakulär und das wollen die Leute ja auch sehen. Ein vergleichsweise unspektakulären Sport wie die Nordischen Disziplinen hat es auch geschafft. Vorausgesetzt man will das!

Worin siehst Du die Gründe für diese Stagnation. Wo wir doch rein sportlich gesehen durchaus international mitreden können.

Ich meine dass das vor allem über die Medien laufen muss - Stars und Gesichter haben wir, Kienle, Frodeno, Gomez....alle haben schon beim XTERRA vorbeigeschaut....vielleicht muss man auch am Format arbeiten: Eliminator Rennen mit kurzen harten Trail Sachen zB in einer Art Park oder Stadtrennen mit Treppen und Mauern zB - nur so eine Idee....ein Blick über den Gartenzaun lohnt sich immer

In diesem Jahr arbeitest Du mit Hannes von HawaiiTours zusammen. Was hat es damit auf sich?

Hannes hat auch erkannt, dass die Leute vermehrt in die Natur gehen und XTERRA ein boomender Markt ist. Ich freue mich natürlich sehr, dass er mich als Rennleiter vor Ort auf Maui installiert hat. Wenn man die Geschichte von HHT mal beobachtet ist er einer der einfach ein gewisses Gespür für den Markt "Triathlon" im weitesten Sinne hat...sei es mit seinen Trainingslagern, Sportreisen oder seinem Triathlon im Allgäu, der ja auch einen Kultstatus besitzt. Mit Sicherheit wird HHT der Szene noch Impulse geben.

Bist Du in Esslingen so als local Hero eigentlich bekannt „wie ein bunter Hund“?

Meistens kann ich in Ruhe in Esslingen in Ruhe einkaufen oder Essen (Ironiemodus) aber in der Sportszene kennt man mich glaube schon. Im übrigen auch in Kassel wo meine Frau herkommt und ich mit Konacoaching schon Schwimm- und Trainingsveranstaltungen durchgeführt habe

In 3 Jahren feiern wir 20jähriges. Bist schon jetzt eingeladen. Musst aber was mitbringen ...

Danke wenn ich Gesund bin, starte ich ansonsten stehe ich am Hochwald an der Baude und reiche Getränke! Was ich mitbringe???? Einen Sack voll Triathlon-Erfahrung und mit diesem stehe ich gerne mit Rat und Tag zur Verfügung - da könnt Ihr mich beim Wort nehmen. In diesem Sack findet ihr Enthusiasmus und Optimusmus neben vielen Ideen! Ein paar Schwaben und Oberpfälzer die dann auch starten werden, eine Kiste schwäbisches Bier für meine lieben Gastgeber habe ich immer dabei und natürlich meine Familie, die ja auch schon alle mindestens einmal am Start waren....Anja, Robin und Romy...fehlt eigentlich nur noch unser neuestes Familienmitlied (ein Australian Sheppard)...

Bernd, auch An Dich ein herzliches Dankeschön für das Interview – und: wir sehen uns.